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Der Blattspitzenantrieb (engl. Tip Jet) ist eine seltene Bauweise für Hubschrauber, wobei der Rotor durch eine Kraft an der Spitze jedes Rotorblatts angetrieben wird. Das Drehmoment auf die Zelle bleibt somit aus, da die Antriebskraft nicht über eine Welle am Rotorschaft übertragen wird; ein Heckrotor oder zweiter Hauptrotor zum Drehmomentausgleich wird daher nicht benötigt. Ebenso kann auf das aufwändige Getriebe verzichtet und der Rotorkopf einfacher aufgebaut werden. Zur Steuerung um die Hochachse im Schwebeflug werden aber zusätzliche Steuerdüsen benötigt.
Entwicklung
Um den Rotor an der Blattspitze anzutreiben, wurden verschiedene Systeme entwickelt. Ursprünglich begann man, kleine Kolbenmotoren mit Propellerantrieb an die Blattspitzen zu setzen. Die weitere Entwicklung bestand aus einem innen liegenden Motor, der mittels Kompressor komprimierte Luft erzeugte. Diese wurde durch eine hohle Rotorwelle und hohle Rotorblätter gepresst, strömte aus Düsen am Ende der Blätter und erzeugte so den Schub zur Drehung des Rotors - der sogenannte kalte Blattspitzenantrieb. Um die Leistung zu steigern, wurde in späteren Varianten an der Düse Kraftstoff eingespritzt und entzündet - der heiße Blattspitzenantrieb. Beide Techniken bewirkten jedoch hohe Geräuschentwicklung und hohen Kraftstoffverbrauch im Vergleich zu mechanisch angetriebenen Rotoren und wurden schließlich nicht weiter verfolgt.
Varianten mit Staustrahltriebwerken wurden ebenfalls entwickelt. Dabei wurde der Rotor in eine Anfangsdrehung versetzt, um die für diese Triebwerksart nötige Startgeschwindigkeit zu erreichen, danach schaltete man die Blattspitzenantriebe zu. Die Lärmentwicklung war ebenfalls nicht zumutbar und der Wirkungsgrad der Staustrahltriebwerke aufgrund zu geringer Geschwindigkeit schlecht.
Mit der bereits 1909 von Girop entwickelten Technik ging bislang nur ein Hubschrauber in Serie - der Sud-Quest SO 1221 Djinn, der am 16. Dezember 1953 den Erstflug ausführte. Er verwendete einen Kompressor zum Blattspitzenantrieb ohne Kraftstoffeinspritzung und erzielte noch 1953 den damaligen Höhenweltrekord für Hubschrauber mit 4.789 Metern.
Blattspitzenantriebe wurden auch bei compound autogyros eingesetzt, indem der Rotor nur zum Senkrechtstart angetrieben wurde. Beim Reiseflug bleibt er ohne Antrieb in Drehung und erzeugt Auftrieb wie beim Autogyro, ggf. auch zusammen mit Tragflächen, während der Vortrieb von einem gesonderten Triebwerk erzeugt wird, so bei der McDonnel XV-1. Auch der Flugschrauber Fairey Rotodyne benutzte diese Bauweise.
Weitere Luftfahrzeuge mit diesem Antrieb sind die Dornier Do32, Dornier Kiebitz und als neuere Entwicklung die Boeing X-50.
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